Zu Besuch beim Chosen Few MC in den USA

Zu Besuch beim Chosen Few MC in den USA

 

Teil 1: “Der erste integrierte Motorradclub in den USA”

In diesem dreiteiligen Artikel möchte ich von meinen Erlebnissen beginnend mit dem ersten Kontakt mit den Chosen Few vor etwas über zwei Jahren bis zu meinem Besuch der Chapter in Seattle und Las Vegas im Herbst diesen Jahres berichten. Das sogenannte Black Biker Set existiert in den USA bereits seit Ende der 50er Jahre, ist allerdings bisher in Deutschland weitestgehend unbekannt. Ich möchte etwas Licht ins Dunkel bringen, indem ich einen der ältesten und am meisten respektierten Clubs der Szene vorstelle.

Zum ersten Mal habe ich vom Chosen Few MC 2014 gehört, als ich die Biografie „Soul On Bikes: The East Bay Dragons MC and the Black Biker Set“ von Tobie Gene Levingston, dem Begründer der „Dragons“ gelesen habe.

Bis dato war ich der Meinung, dass die ganze Biker-Nummer hauptsächlich die Angelegenheit von tätowierten weißen Männern mit wallenden Bärten und im Wind wehenden Haaren ist. Das in den USA quasi eine afroamerikanische Parallelkultur, nämlich das  sogenannte „Black Biker Set“ existiert und bereits seit Anfang der 60er Jahre (zum Höhepunkt der Rassentrennung und der Bürgerrechtsbewegung) Weiße und Schwarze GEMEINSAM auf Motorrädern unterwegs sind, wusste ich bis dahin nicht und hat mich auch sehr überrascht.

Jedenfalls haben die ersten Informationsschnipsel, die ich über den Club, seine Entstehung und seine Geschichte bis zum heutigen Tag erfahren konnte, meine Neugierde geweckt:

Lionel „Father“ Ricks (1937 – 2015) gründete den Chosen Few MC zusammen mit 6 anderen Mitgliedern 1959 in Los Angeles.  Laut seiner eigenen Aussage hatte er keine Geschwister und keine eigene Familie, darum gründete er seine eigene Ersatzfamilie – den Chosen Few MC.

Bis zum heutigen Tag ist die Bruderschaft zwischen den Clubmitgliedern DAS Kernprinzip des Clubs. Das erste weiße Mitglied war „White Boy Art“, der 1960 zum Club kam. Seitdem sind die Chosen Few ein integrierter Motorradclub, in dem Schwarze, Weiße, Latinos und Asiaten gleichberechtigt nebeneinander fahren. Die bereits etablierten Clubs begegneten dieser Entwicklung zunächst mit Argwohn und teilweise sogar mit offener Ablehnung, aber dessen ungeachtet haben sich die Chosen Few bis heute als unabhängiger Club behauptet und genießen den Respekt von beiden Seiten des Biker Sets.

In Anlehnung an die weißen 1%er-Clubs tragen die Chosen Few auf der rechten Brustseite ihren eigenen Diamanten, der eine geschlossene Faust zeigt. Die Faust in den Farben Schwarz, Weiß und Braun steht für die vereinte Kraft der verschiedenen Ethnien, und die Worte „Take none – give none“ sind die Kurzform für: „Wir fangen keinen Ärger an – aber wir weichen auch nicht zurück, wenn es zum Äußersten kommt.“

In den USA zählen die Chosen Few offiziell zu den sogenannten „Outlaw“ Motorcycle Clubs, die von Regierungsbehörden argwöhnisch beobachtet werden. Sie selbst wollen sich aber laut eigener Aussage in keine Schublade stecken lassen: „Wir sind keine 1%er, wir sind Chosen Few!“

Heute ist der Chosen Few MC in den ganzen USA sowie auf den Philippinen vertreten. Clubs mit dem gleichen Namen (allerdings ohne weiterreichende Verbindungen) gibt es auch in Europa, beispielsweise in Belgien, Frankreich und Irland.

Es sollte allerdings noch gut ein Jahr dauern bis ich Martin kennenlernte, der später den ersten persönlichen Kontakt zum Club herstellte – interessanterweise über einen Kommentar, den ich im Rockerportal-Forum gepostet habe. Martin ist mit einer Amerikanerin verheiratet, die wiederum familiäre Verbindungen zum Club hat, und durch ihn habe ich einiges über die US-amerikanische Szene und das Black Biker Set erfahren.

Durch ihn habe ich irgendwann „Milcc“ Walker kennengelernt, und nach diversen längeren Unterhaltungen über Email und Chat hat er mich Ende letzten Jahres eingeladen, ihn und seinen Club in den USA quasi vor Ort kennenzulernen.

Bis auf die ersten Plänen konkrete Taten folgten, verging noch einige Zeit, aber schließlich buchte ich am 1. September meinen Flug nach Seattle, um Milcc, den West Regional President der Chosen Few (verantwortlich für die Chapter und die Expansion des Clubs an der Westküste der USA) dort zu treffen. Wie so oft kam es allerdings etwas anders als ursprünglich geplant…

Teil 2 findet ihr hier: https://www.rockerportal.de/news/index.php/2016/11/30/beim-chosen-few-mc-in-den-usa-teil-2/

 

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COMMENTS

  • iceangel iceangel

    Interessante Geschichte, Sandmann, bin auf die Fortsetzung gespannt. Approve

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  • Sprouchmaaster Sprouchmaaster

    Gute Story… macht neugierig!!! Cool

    0
  • Steppenwolf Steppenwolf

    Interessanter Prolog zu einem MC, der wohl in dieser Konstellation seinesgleichen sucht.

    Ich bin auf die Fortsetzung gespannt. Danke Sandmann für Deine Goldgräberei.

    Gruß mit Respekt, Steppenwolfopa

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  • Red 1%

    Klasse Story – auch wenn mir schon länger bekannt war, was wir den „Brüdern“ u.a. alles zu verdanken haben – eben zB Billy Bike und Captain Amerika „unser aller Stil Ikonen“, die von den schwatten Ben Hardy und Cliff Vaughs zusammengeschraubt worden sind. Die Clubkultur ist trotz allem Interesse hier in Europa etwas arg wenig bekannt! Klasse, dass Du etwas Licht ins Dunkle gebracht hast ( Sorry für den Kalauer, der musste sein. Dafür gibt es beim nächsten mal einen Jacky ins Prasenschwein ;-))
    Freu mich auf 2 & 3!!!

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  • Mercenary Mercenary

    Och, gemeiner Cliffhanger das, ich bin gespannt wie es weitergeht. Approve

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  • ACAB

    Kultur pur kann man da nur sagen.
    Vor allem aber endlich mal ein Bericht wo man nicht extra ein Buch erwerben muss um etwas über andere Kulturen (Menschen) zu erfahren.
    Sandmann „Respekt“
    „Respekt“ auch dem Chosen Few MC

    1+

    Usern gefällt der Kommentar:

    • Sprouchmaaster

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