Beim Chosen Few MC in den USA – Teil 2

Beim Chosen Few MC in den USA – Teil 2

 

„Welcome to Emerald City – unterwegs in Seattle.“

Wenige Tage vor Antritt meiner Reise schrieb ich das letzte Mal mit Milcc, um diverse Formalitäten für die Einreise, speziell den Umgang mit Homeland Security, so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Ich konnte mich noch lebhaft an meinen letzten Besuch in den USA erinnern, bei dem ich eine längere und relativ unentspannte Unterhaltung mit einem Beamten der Einreisebehörde hatte, der partout nicht akzeptieren wollte, dass ich ohne feste Anlaufstelle und ohne Ansprechpartner nach LA gekommen war – und mich direkt wieder in den nächsten Flieger nach Deutschland setzen wollte!

Diesmal lief jedoch alles glatt, der Zollbeamte verabschiedete mich mit einem fast akzentfreien „Auf Wiedersehen“, und nachdem ich mein Gepäck eingesammelt hatte, rief ich Milcc an, um ihm Bescheid zu sagen, dass ich in Seattle angekommen war.

Zu meiner Überraschung war Milcc nicht in Seattle, sondern knapp 1.800 km entfernt in Las Vegas. Er war der Ansicht gewesen, dass ich erst eine Woche später in die USA kommen würde und hatte deswegen kurzfristig einen Geschäftstermin in Vegas wahrgenommen.

Zum Glück standen seine Clubkameraden in Seattle parat und nahmen mich unter ihre Fittiche, was sich im Nachhinein betrachtet als absoluter Glücksfall herausstellte. Per sms vereinbarten wir einen Abholservice für mich, und knapp eine halbe Stunde später kam C-Lew (wie sich später herausstellte der Secretary des hiesigen Chosen Few Chapters) in einem roten Pick-up um die Ecke, um mich abzuholen. Anders als die „Rocker“ in Deutschland hören die Jungs dort hauptsächlich Hip Hop, was für mich allerdings überhaupt kein Problem darstellte. ;-)

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt klärte mich Lew über das Missverständnis mit den verplanten Ankunftsdaten und Milcc’s Geschäftsbesuch in Vegas auf und versprach, dass er und seine Jungs sich um mich kümmern würden, so lange ich in Seattle war. Einen ersten Beweis dafür bekam ich in Form eines üppigen Steaks, dass ich standesgemäß in einem original amerikanischen Diner zu mir nahm.

Als Baseball-Laie wurde ich außerdem Zeuge eines historischen Ereignisses, als die Chicago Cubs in einem dramatischen Match nach 108 Jahren (!) zum ersten Mal wieder die World Series gewannen.

Während dem Essen stieß irgendwann Rook, der Präsident des hiesigen Chapters (und „ganz nebenbei“ auch National Vice President des gesamten Clubs) zu uns, und es entwickelte sich eine sehr interessante Unterhaltung über die lokale Clubszene, die Rolle der Chosen Few darin und die Grundeinstellung der Jungs gegenüber dem Bikerleben. Ein sehr interessanter Punkt, den Rook immer wieder erwähnte, war sein selbst-definierter Grundsatz des Bikerlebens, eine Abwandlung der berühmten „3Bs“ (Bikes, Booze & Bras / Motorräder, Alkohol & Frauen) in „Be a better Brother!“ (Sei ein besserer Clubbruder!)

Er erklärte mir, dass der Grundgedanke des Clubs, so wie es seinerzeit die Vision von „Father“ war auf dem Familienprinzip basiert, und das die Clubfamilie und die Pflege der Bruderschaft Dreh- und Angelpunkt von allem ist. So wie ich den Club in Seattle erfahren durfte, „leben“ die Brüder dort dieses Prinzip auch.

Milcc hatte mich in seiner Bude in Seattle einquartiert – einem kleinen Häuschen am See. Die absolut atemberaubende Aussicht auf den Mount Rainier konnte ich allerdings erst am nächsten Morgen genießen.

In den nächsten Tagen stellten sich Rook, C-Lew, und Prospect Q als Reiseführer zur Verfügung und zeigten mir Seattle und Umgebung. Unter anderem besuchte ich die Seattle Needle, den Pike Market, und den Lakeside Cemetary mit den Gräbern von Bruce und Brandon Lee, um den beiden meinen Respekt zu erweisen.

Nach und nach lernte ich so auch noch andere Clubmitglieder kennen. Beispielsweise nahm ich zusammen mit Knuckles und Spades an einer spontanen Schrauberaktion vor der lokalen Harley-Davidson-Vertretung teil. Im Anschluss fuhren wir alle zusammen noch zu ACs, einem Hot Dog-Laden, den ein Supporter des Clubs leitete.

Am Samstag zur „Church“ lernte ich dann die restlichen Clubmitglieder kennen. Das Chapter in Seattle unterhält momentan kein Clubhaus. Stattdessen treffen sich die Chosen Few bei einem der Member zu Hause. U-Turn‘s Haus bietet genügend Platz für alle Mitglieder plus Support Club und Gäste, zusätzlich wurden wir von unserem Gastgeber mit mexikanischer Suppe, deutschen Landjägern (!) und deutschem Bier (!!!) versorgt, das er extra zu dieser Gelegenheit besorgt hatte.

Brian und eine Handvoll weitere Clubmitglieder erkundigten sich über die MC-Szene in Italien, weil sie im Juni nächsten Jahres einen Motorradtrip dorthin geplant hatten. Kurzerhand vereinbarten wir, uns in Norditalien zu treffen. Alternativ bot ich an die Jungs über die Alpen zu lotsen, um ihnen meine Heimat Süddeutschland zu zeigen.

Abgesehen von der eigentlichen Sitzung, an der nur Vollmitglieder teilnehmen durften, war Church war eine erstaunlich informelle Angelegenheit, die sich über den gesamten Nachmittag bis in den Abend hinzog.

Erst spät am Abend machten wir uns dann auf den Heimweg, nachdem wir den größten Teil des Tages miteinander gegessen, getrunken, Anekdoten ausgetauscht und gelacht haben. Am nächsten Tag wollte ich einen Kurztrip nach Vancouver machen und dort die Nacht verbringen. Milcc hatte kurzfristig einen Flug nach Las Vegas organisiert, so dass wir uns dort treffen konnten.

Damit neigte sich mein Besuch in Seattle leider schon wieder dem Ende zu. Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich in der Szene noch nie so eine Gastfreundschaft erfahren durfte, wie bei den Jungs in Seattle, die mich aufnahmen wie einen der ihren.

An dieser Stelle noch einmal Danke für alles!

Fortsetzung folgt…

Teil 1 findet ihr hier: https://www.rockerportal.de/news/index.php/2016/11/28/zu-besuch-beim-chosen-few-mc-in-den-usa/

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