Beim Chosen Few MC in den USA – Teil 3

Beim Chosen Few MC in den USA – Teil 3

 

„Welcome to Sin City – unterwegs in Las Vegas. “

Als ich in Las Vegas aus dem Flughafengebäude kam, traf mich als erstes eine Hitzewelle – nach dem eher bescheidenen Herbstwetter in Deutschland und dem zwar schönen, aber doch relativ kühlen Indian Summer in Seattle war das eine Wohltat.

Milcc nahm mich herzlich in Empfang, und nach knapp einem Jahr Kontakt über Chat und Telefon hatten wir endlich die Gelegenheit, uns persönlich kennenzulernen. Kurz gesagt: Die Chemie passte und wir fingen sofort an, über alles Mögliche zu quatschen – fast so, als ob wir uns schon jahrelang kennen würden.

Wie ich bereits erwähnt hatte, musste sich mein Gastgeber auch um diverse geschäftliche Angelegenheiten kümmern, aus diesem Grund waren wir in den folgenden zwei Tagen hauptsächlich unterwegs. Ich kenne denke ich keinen Mann, der so konsequent Multitasking betreibt wie Milcc und gleichzeitig textet, telefoniert, Auto fährt und sich unterhält.

Neben seiner Tätigkeit als Eigentümer einer Custombike-Werkstatt und eines Coffee-Shops ist er als „West Coast Regional“ auch für die Expansion des Clubs im Westen der USA verantwortlich – d.h. er betreut Neugründungen, berät bestehende Chapter und ist Hauptansprechpartner bei internen und externen Konflikten.

Der gute Ruf, den die Chosen Few genießen, zeigte sich bei einem zufälligen Ampelstopp, bei dem plötzlich der hiesige Präsident der Bandidos standesgemäß mit wallendem Bart auf seiner Harley anknatterte und neben uns auf einen kurzen Smalltalk stoppte.

Nachdem wir diverse geschäftliche Termine abgeklappert hatten, ging es zum runterkommen ins Clubhaus der Chosen Few in West Las Vegas, das weit von der Glitzerwelt des Strip entfernt ist. Dort stellte Milcc mich seinen Brüdern vor, die mich nach der Ankündigung, dass ich aus Deutschland kam, erstmal mit diversen Fragen bombardierten. Auch für das leibliche Wohl war in Form von Grillware bestens gesorgt, so dass nichts gegen einen kleinen Mitternachtssnack sprach. Gegen Mitternacht brachen wir dann zu Milcc’s Haus auf. Daheim in München wäre seine „bescheidene Hütte“ eine kleine Villa. Ich sage nur: Jacuzzi im Badezimmer…

Am nächsten Tag besuchten wir unter anderem Milcc’s Werkstatt und den hiesigen Harley-Davidson-Dealer, wo ich mich mit Pins und Patches eindeckte – Milcc schenkte mir als Gastgeschenk noch ein Dealer-Shirt obendrauf. Außerdem lernte ich Pancho kennen, einen Nomad, der in den 90ern einige Zeit in Deutschland gelebt hatte und mit dem ich mich intensiv über seine Erlebnisse dort und die Szene in Deutschland im Allgemeinen austauschte.

Am Abend machten wir uns zu dritt auf den Weg und erkundeten den Strip. Auch wenn man nichts mit Spielen und der Glitzerwelt der Hotels und Casinos am Hut hat, ist ein Besuch dort einfach Pflicht.

Interessant war auch, das anders als in anderen Teilen des Landes die anstehende Wahlkampfentscheidung der Präsidentschaftswahl keine so große Rolle zu spielen schien: Vegas ist einfach die Stadt der Spieler und des Vergnügens.

Nachdem wir durch mehrere Hotels und Casinos getourt waren, besuchten wir zum Abschluss des Abends ein Open House des One Luv SC. Dort lernte ich unter anderem Nobody, einen Vertreter der hiesigen Sin City Deciples kennen und rockte die Tanzfläche mit den One Luv-Ladies. Mein Flieger nach Sacramento ging bereits um 6 Uhr morgens, und da ich noch einchecken musste, klingelte der Wecker um vier. An Schlaf war also nicht zu denken, dafür würde ich auf dem Weg über den Atlantik noch genug Zeit haben…

Natürlich kann ich im Rahmen eines Berichts wie diesem nur einen oberflächlichen Abriss der ganzen Reise geben. Einige meiner Erlebnisse kann und will ich hier nicht erzählen – das ist eher Material für ein Lagerfeuergespräch im kleinen Kreis, wenn überhaupt. Außerdem ist an dem Spruch „Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“ durchaus was Wahres dran. ;-)

Was ich aber auf jeden Fall mitgenommen habe ist eine Einsicht, die sich für mich schon auf verschiedenen Reisen und in den verschiedensten Situationen bestätigt hat: Ich bin immer wieder überrascht von der Herzlichkeit und Wärme, die ich von Menschen erfahren durfte, die ich davor noch nie im Leben getroffen habe, und mit denen mich auf den ersten Blick nicht mehr als ein gemeinsames Interesse (hier fürs Motorradfahren) zu verbinden scheint.

 Es ist fast, als ob diese Gemeinsamkeit alles andere aufhebt, was uns ansonsten vielleicht voneinander trennen würde – sei es Herkunft, Status oder Bildung – und uns stattdessen näher zusammenbringt.

 In einer Zeit, in der es manchmal schein als ob die Welt um uns herum immer schneller auf den Abgrund zusteuert, erinnern mich Erlebnisse wie mein Besuch bei den Chosen Few daran, dass es immer noch Dinge in der Welt gibt, die gut und es wert sind, das man sie bewahrt und dafür kämpft:

 Dinge wie

Freundschaft,

Loyalität

und Respekt.

 

In diesem Sinne: „Be a better brother!“

LL&R,

Sandmann

Teil 1 meines Erlebnisberichts findet ihr hier: https://www.rockerportal.de/news/index.php/2016/11/28/zu-besuch-beim-chosen-few-mc-in-den-usa/

und Teil 2 über meinen Besuch in Seattle findet ihr hier: https://www.rockerportal.de/news/index.php/2016/11/30/beim-chosen-few-mc-in-den-usa-teil-2/

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  • Sprouchmaaster
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COMMENTS

  • iceangel iceangel

    Eine fazinierende und beeindruckende Story, Sandmann.
    So stelle ich mir das Clubleben in den Staaten vor.
    Aber das kann man nur einschätzen, wenn man das selbst gesehen hat.
    Ob ich das noch in diesem Leben erleben darf, wird man sehen.
    Und Lagerfeuer ist ein gutes Stichwort. Hoffentlich trifft man sich mal wieder, um über die Dinge zu sprechen, die in kein Internet gehören.
    Auch was die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dieser Reise betrifft.
    Und noch eins:
    Deine letzten Sätze, den ganzen Absatz, sollte man sich einrahmen und in den Clubhäusern aufhängen, denn es sagt genau das aus, worum es geht.
    Meinen absoluten Respekt für diese Worte.

    Gruß Ice

    0
  • Sprouchmaaster Sprouchmaaster

    … richtig Klasse dieser nichtalltägliche Reisebericht…

    0
  • Roadmaster

    Ja Sandmann, ich glaube das ist ein sehr guter und ehrlicher Bericht über die Chosen Few. Es ist zwar nicht alles Perfect hier (Biker Szene US allgemein) aber das A und O hier in den USA ist respect. Du bekommst respect wenn du respect zeigst. Genauso wirs es hier viel strenger mit dem Biker Protocol genommen im vergleich mit Deutschland.

    3+
    • Roadmaster

      Sorry autocorrect…ich meine es wird hier viel strenger mit dem Biker Protocol genommen als im Vergleich zu Deutschland

      3+
      • CFSam55

        Hi Roadmaster,
        ich interessiere mich sehr für den Chosen Few MC. Ich bin vor einigen Wochen via Wikipedia eher zufällig auf den Chosen Few MC gestoßen. Mich ärgert, dass man so wenig über den MC erfährt. Ich möchte einen sehr ausführlichen Artikel über CFMC in Wikipedia verfassen. Ich habe schon jede Menge Material zusammengetragen und analysiert. Ich brauche noch einige Informationen zu der Organisation bspw. Prospect-Colors, Chapterzahl, etc. Kennst du jemanden an dem ich mich wenden könnte?

        Thx!

        0
  • Steppenwolf Steppenwolf

    Klasse Bericht, der Mut macht, dass noch nicht alles in den Scenen den Bach runter gegangen ist. Der Rest der Welt kann sich daran ein Beispiel nehmen.

    Gruß mit Respekt, Steppenwolf opa

    0
  • Sandmann

    Danke dir Roadmaster/Martin. Auch dafür, dass du mir sinerzeit den Weg zu den Chosen Few bereitet hast. I really appreciate that!

    LL&R,
    Sandmann

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  • Roadmaster

    Ich danke dir für den Bericht Sandmann, so könnten die Leute in Deutschland erfahren das die Szene hier doch ganz schöne vielfältiger ist und das es noch mehr MC’s mit Tradition in den USA gibt bis auf die Bekannten US MC’s in Deutschland.

    5+

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