HAMC Stuttgart: 35-Jahrfeier

HAMC Stuttgart: 35-Jahrfeier

Meinen ersten Eindruck über den Hells Angels Charter in Stuttgart bekam ich durch die Dokumentation  „Unter Brüdern“. Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals in malerischem Schneeregen von München nach Augsburg gepilgert bin, um dort in einem Mini-Arthousekino mit 35 Plätzen die eingangs erwähnte Dokumentation anzusehen, nachdem die meisten Kinos die Aufführung bundesweit boykottiert hatten.

Schon damals dachte ich mir, dass die Stuttgarter Hells Angels irgendwie anders waren als einige, denen ich zuvor begegnet war. Und als sich im Frühjahr spontan die Gelegenheit ergab, fuhr ich kurzerhand zum Season Opening nach Stuttgart, um die Jungs mal persönlich kennenzulernen. Ich hatte die Gelegenheit, ein paar Worte mit Lutz Schelhorn und einigen seiner Clubkameraden zu wechseln und fühlte mich dort insgesamt so gut aufgehoben dass es eigentlich keine Frage war, ob ich wiederkommen würde.

Die Frage nach dem wann hatte sich spätestens mit der Einladung zum 35-jährigen Jubiläum erledigt, in der es ausdrücklich hieß: „All Bikers welcome!“

gratulation-an-die-jubilare

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte ich mich erkundigt, ob ich über die Veranstaltung einen kleinen Bericht schreiben könnte. Im Endeffekt geklärt wurde das Thema dann direkt am Abend der Veranstaltung – mal wieder ein Beweis dafür, dass manche Dinge sich eben am besten persönlich und von Angesicht zu Angesicht erledigen lassen. Danny und Jakk nahmen mich freundlich auf und machten mich direkt mit Dario bekannt, der die Onlinepräsenz der Stuttgarter betreut. Mit ihm und Lutz besprach ich das weitere Vorgehen und merkte sehr schnell, dass das Charter im Lauf der Jahre einige Erfahrung mit „den Medien“ gesammelt hat – und ihnen zwar nicht prinzipiell ablehnend, aber dennoch mit einem gesunden Misstrauen gegenüber steht.

Nachdem der „offizielle Teil“ der Vorstellung abgeschlossen waren, mischte ich mich mit Bratwurst und Jacky-Cola bewaffnet unter die Gäste, die erst langsam, dann immer zahlreicher eintrudelten, um den Jubilaren ihren Respekt zu erweisen und alte Freundschaften zu pflegen. Neben Hells Angels aus dem gesamten Bundesgebiet waren auch Gäste aus dem europäischen Ausland da: Im Verlauf des Abends tummelte sich in der Eventlocation eine bunte Sammlung der verschiedensten Farben – unter anderem aus Österreich, Spanien, Holland, Ungarn und Bulgarien. Ein Gastgeschenk fiel mir besonders ins Auge: Es kam von einem MC aus Ägypten (!), der einige Vertreter geschickt hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen Partys der Hells Angels, bei denen die Gäste hauptsächlich aus den eigenen Reihen kommen, mischten sich bei dieser Feier Hells Angels, Supporter, freie Motorradfahrer, zivile Gäste und eine Vielzahl anderer Clubs miteinander. „Berührungsängste“ gibt es in Stuttgart offensichtlich nicht.

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Ein weiteres Detail, das sehr positiv auffiel: Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen der großen Clubs hielt sich die Staatsgewalt vornehm im Hintergrund.

Gegen neun wurde dann von Dosenmucke auf Live-Betrieb umgestellt: Dario und seine Band, die Italian Connection, rockten die Tanzfläche mit einer gelungenen Mischung aus Blues und Rock’n’Roll, zwischendurch aufgelockert durch die spontane Einlage eines Gastsängers.

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Bei der anschließenden Ansprache wurden auch die Gäste entsprechend gewürdigt: „Unser herzlicher Dank gilt auch all denen, die uns über die ganzen Jahre und Jahrzehnte hinweg begleitet haben.“ Vize Jakk gab noch einmal einen kurzen Abriss über die Geschichte der ehemaligen „Hammers of Hell“, die 1981 als zweiter deutscher Hells Angels Ableger nach einer Probezeit von etwas über einem Jahr Vollcharter wurden. Seine kleine Ansprache endete mit dem Aufruf, sich von der aktuellen Unterdrückung durch den Staat nicht kleinkriegen zu lassen: In jedem Jahrzehnt seit ihrer Gründung hatten sich die Hells Angels einmal gegen ein Clubverbot wehren müssen, und bisher waren sie jedes Mal als Sieger gegen den scheinbar übermächtigen Feind hervorgegangen und tragen auch weiterhin mit Stolz ihre Farben.

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Ich hatte leider noch einen Termin in der Heimat und verließ die Party gerade als die obligatorische „exotische Tanznummer“ begann. Aber wie bereits im Frühjahr dachte ich mir auch dieses Mal: Ich habe mich willkommen gefühlt – und komme gern wieder!

Gerade angesichts der aktuell immer wieder aufflammenden Diskussion über Oldschool vs. Newschool fiel mir in Stuttgart sehr positiv auf, dass das eine das andere keineswegs ausschließen muss: Danny ist Hells Angel der zweiten Generation, und auch Vize Jakk gehört sowohl vom Alter als auch von seinem legeren Baggy-Outfit mit Basecap her eher zur neuen Biker-Generation. Gleichzeitig gibt es auch Member wie Ron oder Lutz selbst, die seit der ersten Stunde dabei sind. In Stuttgart macht man hier offensichtlich keinen Unterschied – ein klares Zeichen dafür, dass alte Werte wie Bruderschaft, Ehrlichkeit, Respekt und Loyalität altersunabhängig und generationenübergreifend gültig sind.

 

LL&R,

Sandmann

31+

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  • iceangel
  • Steppenwolf
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COMMENTS

  • Steppenwolf Steppenwolf

    Klasse Bericht Sandmann.

    Gruß mit Respekt, Steppenwolf opa

    8+

    Usern gefällt der Kommentar:

    • Sprouchmaaster
  • iceangel iceangel

    Guter Bericht, Sandmann.
    Das Stuttgarter Charter ist mir eh sympathisch, was auch ganz entscheidend an seinem Präsidenten liegt.
    Und deshalb ist es auch möglich, junge Generationen zu integrieren, wenn man ihnen die Werte vermittelt, wie man sie von den Oldschoolern kennt. Von daher besteht da auch kein Widerspruch was die Jugend betrifft, man braucht sie, wenn man das Charter für die Zukunft erhalten will.
    Das ist aber auch eine Sache der Führung von so jungen Burschen.
    Wenn man das richtig anpackt, dann gelingt das auch, die Werte zu vermitteln und zu erhalten. Wenn nicht, dann entsteht die schlimmste Form der Newschooler, was letztendlich zu Konflikten führt.
    Aber da mache ich mir bei den Stuttgarter keine Sorgen, weil die dafür sorgen, dass da alles in die richtige Richtung läuft.
    Das sehe ich ganz entspannt.
    Und solche authentische Berichte immer wieder gerne.

    9+
  • Roadmaster

    Sehr gut geschrieben. Ich glaube am Beispiel Lutz Schnelhorn zeigt es sich wie wichtig es ist gute Vorbilder der alte Schule zu haben. Habe bis jetzt nur positives uber den Mann gelsen. Ich glaube die Szene bräuchte mehr Leute wie in.

    9+

    Usern gefällt der Kommentar:

    • Sprouchmaaster
  • Sprouchmaaster Sprouchmaaster

    der Bericht ist klasse!
    Hallo Sandmann, wenn du Lust hast, lade ich dich zu unserer
    30-Jahresfeier ein!
    Aber nur wenn du nen Bericht schreibst!!! grins Cool

    0

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