Bremen - Immer wieder fordern Bremer Politiker verschiedener Parteien ein Verbot des Motorradklubs.
Die rechtliche Hürde dafür ist hoch. Es müssen genügend Beweise vorliegen, die zeigen, dass der Zweck des Vereins die Ausübung krimineller Machenschaften ist.
Bislang ist es nur in zwei Bundesländern gelungen, die Hells Angels zu verbieten – in Hamburg und in Schleswig-Holstein.
Nach Schätzungen der Polizei sind zirka 100 Personen in Bremer Rockerklubs organisiert. Diese Anzahl ist in den letzten Jahren konstant geblieben. Zudem scheinen die Rocker ruhiger geworden zu sein. So sollen sie auf polizeiliche Anordnungen und Maßnahmen eingehen. Mehr noch: Sie führen gelegentlich sogar freundliche Gespräche mit den Beamten.
Polizei baut Kontrolldruck auf
So kommt es auch kaum noch zu Ausfahrten in langen Kolonnen, da die Polizei nur kleine Gruppen zulässt. Wenn die Rocker mal eine Party machen wollen, werden alle Gäste gefilzt und ihre Personalien festgestellt. Vorab gibt es Belehrungen darüber, wie die Motorräder am Straßenrand geparkt werden dürfen und ab wie viel Uhr die Musik leiser gedreht werden muss. Die schweren Jungs halten sich dann an alle Vorgaben, so wie zuletzt bei der Party der "Red Devils“ am 18. März 2012.
Rocker ausgesperrt
Die roten Teufel gelten als Unterstützer der Hells Angels. Nachdem sich ihr Klub Ende 2011 quasi aufgelöst hat, wollten die neuen "Red Devils“ ihre Rückkehr feiern. Aber ein Großaufgebot der Polizei verhinderte, das die Rocker ihr Domizil erreichten. Nach Angaben der Polizei gibt es baurechtliche Gründe, weshalb die ehemalige Werkstatt in der Eduard-Grunow-Straße nicht als Klubhaus weiter genutzt werden könne – und schon gar nicht für Partys. Deshalb fand die Neueröffnung bei den großen Brüdern um die Ecke statt: bei den Hells Angels. Das bekam die Polizei schnell mit und sperrte den "Angels Place“ weiträumig ab. Sie kontrollierten mehr als 100 Personen, die in Rockerkluft erschienen waren. Dabei stellten die Beamten unter anderem Schlagstöcke und Messer sicher, zudem sprachen sie drei Platzverweise aus.
Unter Beobachtung
Immer da, wo Rocker zusammenkommen, ist auch die Polizei – "Dein Freund und Helfer“ dabei. Die Beamten halten sich zwar zurück, aber ihre Ansagen schikanieren die Rocker, die ihren Ärger aber lieber runterschlucken, als ein Verbot zu riskieren. In Bremen stehen neben den "Hells Angels" auch die "Red Devils" und der "MC Truva" unter Beobachtung, sowie der "MC Gremium" im Bremerhavener Rotlichtviertel. Diese Klubs gelten als kriminell, obwohl ihnen nur noch selten etwas nachgewiesen werden kann. Denn Täter, Opfer und Zeugen schweigen in der Regel.
Schweigsame Kriminelle
Beim Kampf um so genannte Gebietsansprüche geht es vor allem um Menschenhandel und Betäubungsmittel, aber auch um Waffen und Sicherheitsdienste. Dabei treten die Mitglieder der großen Rockergruppe gar nicht selbst in Erscheinung, sondern schicken ihre Anwärter vor, so genannte Hangarounds, Supporter und Prospects. Die müssen sich dann in jahrelanger "Sklaverei" ihre Mitgliedschaft verdienen. So beschreibt es ein Hells-Angel-Aussteiger in seinem Buch "Der Racheengel". Er war der Kronzeuge im Prozess gegen die Hells Angels, die im Jahr 2006 Mitglieder des verfeindeten Rockerklubs "Bandidos" überfallen hatten. Das Klubhaus in Brinkum ist seitdem geschlossen. Die "Hüte" aus Bremen verschwunden.
Rocker-Verbot
2011 gab es dann mehrere Schlägereien zwischen den neugegründeten "Mongols" und den Höllenengeln. Der Streit endete mit einem Verbot der Monogols. Nach Ansicht der Behörden bestand deren Zweck einzig und allein darin, Straftaten zu begehen. "Der Präsident und führende Mitglieder der Bremer Mongols seien hochgradig kriminell und gewaltbereit“. Die Polizei hatte die Vereinsräume durchsucht und das vorhandene Vermögen beschlagnahmt, sowie das gerade eröffnete Klubhaus geschlossen. Das Tragen der Kutten mit den Vereins-Emblemen ist in Bremen verboten.
So wie mit den Mongols würde Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gern weitermachen. Dazu muss er den Rocker aber Straftaten nachweisen. So wie dem Präsidenten der "Hells Angels", der im Herbst 2011 wegen räuberischer Erpressung festgenommen wurde. Da keine Verdunklungsgefahr bestand, kam er schnell wieder auf freien Fuß. Nun hat die Staatsanwaltschaft Bremen Anklage gegen Marcel S. erhoben.


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